Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Einladung zum öffentlichen Waldbegang am Homberger Burgberg

Burgberg-Neuanpflanzung für die Artenvielfalt von morgen

Homberg (Efze)/Neukirchen. Junge Bäume und Sträucher bilden im bevorstehenden Frühling neue Triebe aus. 650 zwei- bis dreijährige Pflanzen wurden bis Ende März am Burgberg an extra dafür ausgezeichneten Stellen neben den offiziellen Wanderwegen und Sitzgelegenheiten gepflanzt. Während eines öffentlichen Waldbeganges am Montag, dem 19. April 2021, um 17:00 Uhr (Treffpunkt: Wanderparkplatz Ecke Hausbrunnenweg / Georg-Textor-Weg) können sich Bürgerinnen und Bürger über die Neuanpflanzungen am Burgberg informieren. Der kostenfreie Waldbegang wird vom Forstamt Neukirchen zusammen mit der Stadt Homberg (Efze) durchgeführt. Es wird gebeten, eine Maske zu tragen und die Abstandsregeln einzuhalten.

Der Hintergrund für die Neuanpflanzungen

Das Eschentriebsterben und die extreme Trockenheit der vergangenen drei Jahre haben dem Wald am Burgberg stark zugesetzt. Nach umfangreichen Maßnahmen im Rahmen der Verkehrssicherung sind einige lichtere Hangbereiche entstanden, die zum Teil einen wunderbaren Blick auf Stadt und Umland gewähren. Doch wer in dieser laublosen Zeit genau hinschaut erkennt, dass diese Flächen bereits fast vollständig mit jungen Ahornen verjüngt sind. Andere Baumarten wie Linde, Kirsche und Eberesche, die zwar aktuell einen Anteil der erwachsenen Bäume stellen, sucht man in der Verjüngungsschicht vergebens. Der Bergahorn hat gerade auf nährstoffreichen Basaltstandorten wie hier im Homberger Burgberg zum Leidwesen anderer Baumarten ein enormes Verjüngungspotential. Um in Zukunft eine hohe Artenvielfalt des Burgbergs gewährleisten zu können, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um punktuell weitere heimische und standortsgerechte Arten einzubringen. Insgesamt wurden zur Aufwertung der Artenvielfalt ca. 650 Pflanzen aus 23 verschiedene Baum- und Straucharten gepflanzt.

So umrahmen nun die Steinobstgewächse Wildapfel, Wildbirne und Wildkirsche gesäumt von Weißdorn die Grotte im östlichen Oberhang. Gefolgt von den seltenen heimischen Sorbus-Arten Elsbeere, Speierling und Eberesche, die sich als wärmeliebende Arten in lichten Bereichen am Südhang neben adulten Schwarzkiefern sonnen dürfen. Im oberen Westhang ergänzen Flatter- und Bergulme die vorhandene Ahornverjüngung, gesäumt von gemeinem Schneeball und der Haselnuss.

Gleichzeitig sorgt die Anpflanzung weiterer Sträucher wie Cornelkirsche, Hartriegel, Pfaffenhütchen, Liguster und Co. einerseits für attraktive und farbenfrohe Waldinnenränder, andererseits für die Erhaltung von Sichtachsen auf Homberg und Umgebung.

Der Burgberg in Homberg (Efze) ist insbesondere wegen seiner Bedeutung für die Erholungssuchenden sowie wegen seiner steilen Lagen ein „Wald außer regelmäßigem Betrieb“. „Im Bereich des Burgberges steht nicht die Holzproduktion im Fokus, sondern Stabilität, Sicherheit, Artenreichtum und Erlebniswert“, so Dr. Nico Ritz, Bürgermeister der Stadt Homberg (Efze). „Durch die Anpflanzung der verschiedenen Baum- und Straucharten wollen wir die Artenvielfallt und auch den Erlebniswert erhalten und fördern“, hebt Ritz hervor.

Hintergrund des Baumsterbens

Überwiegend handelt es sich bei den zur Verkehrssicherung entnommenen Bäumen um Eschen, die von dem sogenannten Eschentriebsterben befallen sind. „Hierbei handelt es sich um eine Pilzerkrankung, an der nahezu alle Eschenbestände in Mitteleuropa erkrankt sind“, so Tobias Kaufmann, Forstreferendar im Forstamt Neukirchen. „Die Äste erkrankter Bäume werden sukzessive trocken und können auf Waldbesucher herunterfallen. Außerdem ist es die einzige Hoffnung, die übrigen Eschen zu erhalten, indem man die erkrankten Bäume entnimmt, um eine weitergehende Infektion zu verzögern und eine gesunde Verjüngung zu etablieren.“

In den Wäldern des Forstamts Neukirchen hat aber auch der Klimawandel sichtbare und noch nicht sichtbare Spuren hinterlassen. In Folge der großen Hitze und Trockenheit der letzten Sommer sind viele Bäume ganz einfach vertrocknet. Das passierte nicht nur bei jungen Bäumchen, die noch keine tiefreichenden Wurzeln hatten, sondern auch bei großen Bäumen. Besonders die in Hessen weit verbreitete Buche leidet unter dem Wassermangel. „Man sieht den Bäumen auf den ersten Blick nicht immer an, dass sie schon absterben“ so Kaufmann. Er ergänzt: „Wir schauen ganz genau hin. Manchmal sind die Kronen der Bäume noch grün, aber am Stamm platzt die Rinde ab. Das ist kein gutes Zeichen.“

Darüber hinaus bleibt den Forstleuten dann nur, die Bäume zu fällen. Blieben sie stehen, müssten Wege und Wälder für die Erholungssuchenden gesperrt werden, weil der Aufenthalt unter den absterbenden Bäumen einfach zu gefährlich wäre. Doch gerade jetzt zieht es viele Menschen in die Wälder, um einfach mal frische Luft zu schnappen und den Corona-Alltag hinter sich zu lassen. (di/Forstamt Neukirchen/HessenForst)