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Stadtgespräch 

Lernen, wo das Leben stattfindet am außerschulischen Lernort

Stadtgespräch in der Krone zeigt: Außerschulische Lernorte eröffnen Schülerinnen und Schülern besondere Erfahrungen – wenn Schule sie möglich macht

Was bleibt von einem Schultag besonders in Erinnerung? Vielleicht der Besuch im Museum, eine Theateraufführung, eine Fahrt ins Planetarium oder ein gemeinsames Projekt an einem ungewöhnlichen Ort. Oft sind es gerade diese Erfahrungen, aus denen nachhaltiges Lernen entsteht.

Genau darum ging es beim Stadtgespräch am 20. August 2026 in der Krone. Zehn interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten mit dem Lehrer Sascha Kurzrock über die Frage, was außerschulische Lernorte eigentlich leisten können – und warum ihr Besuch im Schulalltag manchmal so selbstverständlich und manchmal so schwierig ist.

Lernen außerhalb des Klassenzimmers

Eine eindeutige Definition für einen „außerschulischen Lernort“ gibt es nicht. Sascha Kurzrock machte es dennoch greifbar:

„Ein außerschulischer Lernort ist ein Ort außerhalb der Schule, an dem Schülerinnen und Schüler Lernziele erreichen können, die im Klassenraum nur eingeschränkt möglich wären.“

Entscheidend ist dabei also nicht allein, dass der Unterricht außerhalb des Schulgebäudes stattfindet. Entscheidend ist, was Schülerinnen und Schüler an diesem Ort lernen und erfahren können.

Kurzrock hatte dafür vier sehr unterschiedliche Beispiele mitgebracht: den Frankfurter Flughafen, den Hessenpark, das Staatstheater Kassel und die Gedenkstätte Buchenwald. Orte, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und gerade deshalb zeigen, wie vielfältig außerschulisches Lernen sein kann.

Warum überhaupt raus aus der Schule?

Die Frage liegt nahe: Wenn man über einen Flughafen, ein Museum, ein Theater oder einen historischen Ort sprechen kann – warum muss man dann mit einer ganzen Schulklasse dorthin fahren?

In der Diskussion wurde schnell deutlich: Weil manche Dinge erlebt werden müssen, damit sie wirklich verständlich werden.

Authentische Orte eröffnen Erfahrungen, die sich im Klassenraum nur schwer nachbilden lassen. Schülerinnen und Schüler können beobachten, Fragen stellen, mit Menschen ins Gespräch kommen und einen Gegenstand oder ein Thema aus einer anderen Perspektive kennenlernen.

Dabei verändert sich auch die Rolle des Unterrichts. Der klassische Ablauf aus Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern wird aufgebrochen. Statt eines reinen Monologs entsteht ein stärkerer Austausch.

Ein Teilnehmer brachte es sinngemäß auf den Punkt: Es geht darum, aus der gewohnten Ordnung der Schule herauszukommen und andere Ideen, Sichtweisen und Perspektiven zu ermöglichen.

Sascha Kurzrock selbst formulierte es treffend: „Ein außerschulischer Lernort ist nicht deshalb wertvoll, weil er außerhalb der Schule liegt, sondern weil dort etwas gelernt werden kann, das an diesem Ort besonders gut gelernt werden kann.“

Gute Erfahrungen gibt es viele

Wie wichtig solche Erlebnisse sein können, zeigte auch die Runde selbst. Auf die Frage, an welchem Ort oder bei welcher Tätigkeit besonders viel gelernt wurde, nannten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz unterschiedliche Beispiele: das Planetarium, den Austausch mit Menschen an einem Ort in der Nähe von Paris, Wandertage, Museumsbesuche und Theater.

Das macht deutlich: Außerschulisches Lernen ist kein Nischenangebot für einzelne Fächer. Es kann viele Bereiche des Lernens miteinander verbinden – von Geschichte und Kultur über Naturwissenschaften bis hin zu sozialen und persönlichen Erfahrungen.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Doch so überzeugend die Idee ist: Mit dem Wunsch allein ist ein außerschulischer Lernort noch nicht besucht.

In der Diskussion wurde auch die praktische Seite deutlich. Damit eine Schulklasse einen solchen Ort besuchen kann, braucht es vor allem eine Lehrkraft, die die Idee unterstützt und vorantreibt. Dazu kommen Organisation, Zeit und die Unterstützung durch die Schulverwaltung und die Schulleitung.

Kurzrock berichtete aus eigener Erfahrung, dass ihn seine Schulleitung ausdrücklich dazu ermuntert habe, mit seinen Klassen außerschulische Lernorte zu besuchen. Eine solche Unterstützung kann entscheidend sein.

Denn warum fährt eine Schule nicht jeden Tag zu einem anderen Lernort? Die Antwort ist offensichtlich: Unterricht muss organisiert werden, Fahrten müssen geplant und finanziert werden, Sicherheitsfragen müssen geklärt sein und der Besuch muss pädagogisch sinnvoll in den Unterricht eingebettet werden.

Gerade deshalb braucht es neben engagierten Lehrkräften auch Schulleitungen, die solche Wege ermöglichen und unterstützen.

Ein Lernort muss mehr sein als ein Ausflug

Das Stadtgespräch machte aber auch deutlich: Ein außerschulischer Lernort ist nicht automatisch guter Unterricht.

Damit aus einem Besuch nachhaltiges Lernen wird, muss er vorbereitet, begleitet und nachbereitet werden. Schülerinnen und Schüler sollten wissen, mit welchen Fragen sie an einen Ort gehen. Vor Ort braucht es Raum für Beobachtungen und Gespräche. Und anschließend sollte das Erlebte wieder in den Unterricht zurückgeführt werden.

Dann kann aus einem Ausflug tatsächlich ein besonderer Lernmoment werden.

Lernen braucht manchmal einen anderen Ort

Das Stadtgespräch in der Krone hat damit eine Frage aufgeworfen, die weit über einzelne Klassenfahrten hinausgeht: Wie wollen wir Schule gestalten?

Wenn Lernen nicht nur aus Arbeitsblättern, Unterrichtsgesprächen und Prüfungen bestehen soll, dann braucht es auch Gelegenheiten, die Welt außerhalb des Klassenzimmers zu entdecken.

Außerschulische Lernorte können genau das leisten. Sie bringen Schülerinnen und Schüler mit echten Orten, Menschen, Geschichte und Kultur in Kontakt. Sie ermöglichen Erfahrungen, die man nicht einfach aus einem Buch übernehmen kann.

Am Ende steht deshalb eine einfache Erkenntnis: Guter Unterricht kann überall stattfinden – wenn der Ort zum Lernen passt und Menschen bereit sind, ihn zu nutzen.

Dafür braucht es engagierte Lehrerinnen und Lehrer, unterstützende Schulleitungen und die Bereitschaft, Schule immer wieder ein Stück weit für die Welt außerhalb ihrer Mauern zu öffnen.

Das nächste Stadtgespräch im Kulturzentrum und Gasthaus Krone findet am 17.09. 2026 zu dem Thema „Teilhabe ermöglichen – Wie aus Unterstützung Mitwirkung wird“ statt. Die Referenten sind: Frau Geschäftsführerin und Diakoniepfarrerin Annika-Christine Weisheit und Herr Dipl.-Sozialpädagoge und Sozialarbeiter Jürgen Kurz. Herzlich willkommen! (di)