Hans Staden: Wahrhaftig eine "wilde Historia"

Staunen Sie über die spannenden Erlebnisse von Hans Staden in Brasilien

Der in Homberg um 1525 geborene Hans Staden reiste 1548 als Landsknecht in Diensten portugiesischer Siedler in das bereits als „Brasilien“ bekannte brasilianische Küstengebiet und kämpfte dort 1549 bei Pernambuco (Recife) gegen aufständische Indianer. Nach der Rückkehr in Lissabon entschloss er sich 1550, mit der spanischen Sanabria-Expedition in das Gebiet von La Plata (südlich von Rio de Janeiro) zu fahren. Nachdem die drei Schiffe in Stürmen gesunken waren, konnte er sich mit mehreren anderen Schiffbrüchigen an die südbrasilianische Küste retten, wo sie über zwei Jahre im Regenwald überlebten. Mit einem selbstgebauten Boot fuhren sie in nördliche Richtung und erlitten erneut Schiffbruch. Nach einem Marsch durch den Urwald erreichten sie schließlich Sao Vicente. Dort wurde Staden als Kommandant einer kleinen Festung verpflichtet, die vor der Küste im Atlantik lag, um die Siedler zu schützen. Ende des Jahre 1553 nahmen kannibalische Tupinambá-Indianer Hans Staden gefangen und verschleppten ihn nach Ubatuba.

Dieses Steinrelief ziert die Mauer der "Simpelschanze" vor dem Homberger Rathaus. Foto: Uwe Dittmer

Er sollte bald an einem Festtag der Tupinambá-Indianer rituell getötet und verspeist werden. Wie durch ein Wunder überlebte er. Sein unerschütterliches Gottvertrauen und sein Verhalten führten dazu, dass man ihn bald wie einen Schamanen akzeptierte und am Leben ließ. Nach über 9 Monaten befreiten ihn französische Händler und brachten ihn nach Europa zurück. Dort veröffentlichte er 1557 mit Hilfe des Medizinprofessors Johannes Dryander aus Marburg sein Buch „Warhaftige Historia“. Es ist heute ein außerordentlich wichtiges Werk für die Erforschung der Ureinwohner Brasiliens.

Sein Buch „Warhaftig Historia“ ist mehr als nur ein Abenteuerbuch. Neben dem Reisebericht gibt es einen zweiten, landeskundlichen Teil. Hans Staden beschreibt darin die Tupinamba-Indianer und ihre Lebenswelt. Er erklärt anschaulich, wie die Indios ihren Boden fruchtbar machten und welche Tiere und Pflanzen in Brasilien vorkommen. Es handelt sich dabei um den weltweit ersten Bericht über die damals unbekannten tropischen Tiere und Pflanzen der Neuen Welt. Dieses Buch ist in seiner Genauigkeit das wichtigste Werk eines deutschen Autors zur Geschichte der Entdeckung Amerikas im 16. Jahrhundert. Hans Staden starb vermutlich 1576 in Wolfhagen.








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