Klimaschutz
Mehr Grün für die Innenstadt: Entsiegelung und klimaangepasste Pflanzungen schaffen neue Aufenthaltsqualität
Klares Zeichen für mehr Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität und biologische Vielfalt
Mit der Neugestaltung zweier innerstädtischer Flächen setzt die Stadt ein weiteres Zeichen für mehr Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität und biologische Vielfalt im öffentlichen Raum. Im Rahmen der Maßnahme zur Entsiegelung und ökologischen Aufwertung des Straßenbegleitgrüns wurden sowohl die Fläche am Theodor-Heuss-Gymnasium (THS) als auch ein Bereich beim „Verrückten Floristen“ umfassend neugestaltet.
Deutliche Entsiegelung an der THS
An der oberen Fläche bei der THS entstand in Teilen der Bevölkerung der Eindruck, dass dort Parkplätze entfernt worden seien. Tatsächlich befanden sich an dieser Stelle jedoch nie offizielle Stellplätze. Im Zuge der Maßnahme wurden ausschließlich vorhandene Pflasterflächen sowie kleine, ältere Pflanzbereiche zurückgebaut und durch eine deutlich größere Grünfläche ersetzt.
Die ursprünglich lediglich rund drei Quadratmeter große Pflanzfläche wurde auf insgesamt 28 Quadratmeter erweitert. Durch den Rückbau versiegelter Flächen konnte somit eine spürbare Entsiegelung erreicht werden – ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des innerstädtischen Mikroklimas und zur besseren Regenwasserversickerung. Gerade auch kleinere entsiegelte Bereiche helfen dabei, Hitzeinseln in dicht bebauten Stadtbereichen zu reduzieren und das Stadtklima nachhaltig zu verbessern.
Für die Baumbepflanzung fiel die Wahl bewusst auf die Säulenhainbuche der Sorte „Lucas“. Diese wächst langsam, bleibt dauerhaft schmal und eignet sich deshalb besonders gut für enge Straßenräume. Langfristig entsteht durch das Zusammenwachsen der Bäume eine grüne, hohe Heckenstruktur. Gleichzeitig musste bei der Planung berücksichtigt werden, dass sich unmittelbar hinter der Fläche ein Zebrastreifen befindet. Die gewählte Bepflanzung gewährleistet daher jederzeit die notwendige Verkehrssicherheit und freie Sichtbeziehungen.
Ergänzt wird die Fläche durch eine hitze- und klimaresistente Staudenpflanzung mit insgesamt 23 verschiedenen Arten. Leuchtende Gelb-, Orange- und Rottöne prägen die Mischung aus filigranen Gräsern und charaktervollen Präriepflanzen. Die lange Blütezeit sowie abwechslungsreiche Strukturen sorgen bis weit in den Winter hinein für ein attraktives Erscheinungsbild. Gepflanzt wurden unter anderem Astern, Prachtscharte, Rudbeckien, Goldruten und Blaurauten. Zusätzlich setzen Blumenzwiebeln im Frühjahr weitere farbliche Akzente und bieten Nahrung für zahlreiche Insektenarten.
Klimaangepasste Gestaltung auch auf der unteren Fläche
Auch die untere Fläche beim Floristen wurde ökologisch aufgewertet. Hier konnte die Pflanzfläche von ursprünglich 5 auf 18 Quadratmeter erweitert werden. Ebenfalls gepflanzt wurde eine Säulenhainbuche der Sorte „Lucas“.
Als Unterpflanzung wurde eine extensive, trockenheitsverträgliche Staudenmischung gewählt. Astern, Salbei und Bergminze sorgen künftig für eine naturnahe Begrünung mit hoher Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Trockenheit. Die Pflanzung bleibt bewusst niedrig, damit die Sichtverhältnisse an der angrenzenden Ausfahrt dauerhaft erhalten bleiben und eine sichere Ausfahrt gewährleistet ist.
Mit beiden Maßnahmen wurden nicht nur zusätzliche Grünflächen geschaffen, sondern auch nachhaltige und klimaangepasste Pflanzkonzepte im innerstädtischen Raum umgesetzt.
Kein Schotterbeet – sondern ein lebendiger Pflanzenstandort
Wichtig ist der Hinweis, dass es sich bei den neu angelegten Flächen ausdrücklich nicht um Schotterbeete handelt. Zwar ist die Oberfläche mit einer mineralischen Mulchschicht versehen, darunter befinden sich jedoch weder Folien noch Vliesabdeckungen, die den Boden versiegeln würden. Die Pflanzen können sich natürlich entwickeln und werden die Flächen schon bald nahezu vollständig bedecken. Dadurch wird eine übermäßige Aufheizung verhindert und gleichzeitig ein wertvoller Lebensraum für Insekten geschaffen.
Das verwendete mineralische Mulchmaterial eignet sich besonders gut für trockenheits- und wärmeliebende Pflanzen. Zudem reduziert es den Aufwuchs unerwünschter Beikräuter und erleichtert die Pflege der Flächen.
Natürliche Entwicklung der Bäume gefördert
Auch bei der Baumanbindung wurde bewusst eine zurückhaltende und fachlich zeitgemäße Lösung gewählt. Die niedrige Baumanbindung gibt den jungen Bäumen in der Anwuchsphase ausreichend Stabilität, ohne das Straßenbild durch hohe Pfähle oder massive Konstruktionen zu beeinträchtigen.
Gleichzeitig profitieren die Bäume von einer gewissen Bewegungsfreiheit. Die leichte Bewegung durch Wind fördert die Ausbildung stabilerer Stämme und kräftiger Wurzeln – ein Effekt, der in der Fachwelt als „Thigmomorphogenese“ bezeichnet wird. Durch diese natürliche Entwicklung entstehen widerstandsfähigere Bäume mit einer besseren Anpassung an ihren Standort.
Darüber hinaus wirkt die niedrige Anbindung harmonischer im Straßenraum, hält Sichtachsen frei und trägt zu einem offeneren und hochwertigeren Erscheinungsbild der Innenstadt bei.
Weitere Maßnahmen im Stadtgebiet
Neben den beiden neugestalteten Flächen wurden beziehungsweise werden weitere Staudenbeete und Grünflächen im Stadtgebiet angelegt – unter anderem in der Brandenburger Straße, auf der Verkehrsinsel an der Umgehung, am Friedhof sowie auf kleineren Baumscheiben und Kleinstflächen.
Mit diesen Maßnahmen investiert die Stadt kontinuierlich in mehr urbanes Grün, eine höhere Aufenthaltsqualität und eine klimaresiliente Zukunft. (Text & Fotos: di/cv)













