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Stadtgespräch im Kulturzentrum Krone

Teilhabe ermöglichen – Wie aus Unterstützung Mitwirkung wird

Wie aus Unterstützung Mitwirkung wird

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ie kann es gelingen, Menschen nicht nur Unterstützung anzubieten, sondern ihnen echte Teilhabe und aktive Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen? Dieser Frage widmete sich das Stadtgespräch am Donnerstagabend, 17. September 2026 im Kulturzentrum Krone in Homberg. Unter dem Titel „Teilhabe ermöglichen – Wie aus Unterstützung Mitwirkung wird“ informierten Geschäftsführerin und Diakoniepfarrerin Annika-Christine Weisheit sowie Dipl.-Sozialpädagoge Jürgen Kurz über Erfahrungen, Projekte und Zukunftsperspektiven der Teilhabearbeit des Diakonischen Werks im Schwalm-Eder-Kreis.

Teilhabe bedeutet, Menschen einzubeziehen und ihnen etwas zuzutrauen

Seit mehr als 16 Jahren entwickelt das Diakonische Werk im Schwalm-Eder-Kreis Angebote und Projekte, die gesellschaftliche Teilhabe fördern und Ausgrenzung entgegenwirken. In seinem Vortrag gab Jürgen Kurz Einblicke in die Entwicklung dieser Arbeit und schilderte Erfahrungen aus der Praxis. Dabei wurde deutlich, dass Teilhabe insbesondere im ländlichen Raum besondere Aufmerksamkeit und gemeinsames Engagement erfordert.

„Teilhabe ist kein persönliches, sondern ein gesellschaftliches Problem“, betonte Kurz. Entscheidend sei es, immer wieder zu fragen: Was wird tatsächlich gebraucht – und was nicht? Denn erfolgreiche Teilhabearbeit beginne damit, den Menschen zuzuhören, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und gemeinsam passende Möglichkeiten zu entwickeln.

Eine Befragung von Menschen, die die Angebote der Diakonie nutzen, machte verschiedene Wünsche und Bedarfe sichtbar. Dazu gehören unter anderem bessere Mobilitätsmöglichkeiten, Räume für Begegnung und eigene Angebote, Qualifizierungen im Alltag – beispielsweise im Umgang mit dem Smartphone –, Kochangebote sowie Unterstützung bei Fragen rund um Versicherungen. Besonders berührend war die Rückmeldung, dass viele Menschen nicht nur Hilfe empfangen, sondern selbst etwas beitragen und ihre Fähigkeiten einbringen möchten.

Vom Gast zum Mitgestalter

Anhand verschiedener Projekte zeigte Jürgen Kurz auf, wie Teilhabe im Alltag konkret werden kann. Dazu zählen unter anderem der Möbelladen, das öffentliche Wohnzimmer, die Ehrenamtsagentur sowie gemeinsame Mittagstische und Kleiderläden an verschiedenen Standorten.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie aus Gästen aktive Mitgestalter werden können. „Beziehung kommt vor Angebot“, so Kurz. Teilhabe entstehe nicht allein durch die Bereitstellung von Angeboten, sondern vor allem durch persönliche Begegnungen, Verlässlichkeit und gegenseitiges Interesse.

Es gehe darum, Menschen wahrzunehmen, Kontakte zu pflegen und aufmerksam zu sein, wenn jemand fehlt. Die Erfahrung, vermisst zu werden und gebraucht zu werden, könne für Menschen von großer Bedeutung sein. Teilhabearbeit sei deshalb individuell, kleinteilig und nur durch gemeinsames Handeln erfolgreich.

Das öffentliche Wohnzimmer bezeichnete Kurz als ein Leuchtturmprojekt, in dem immer wieder zu erleben sei, wie Menschen von Gästen zu Beteiligten werden und eigene Ideen einbringen. Die bisherigen Erfahrungen seien ermutigend und zeigten, wie wertvoll kontinuierliche Beziehungsarbeit und gemeinschaftliche Angebote sind.

Das öffentliche Wohnzimmer: Gemeinsam essen, gemeinsam leben

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Diakoniepfarrerin und Geschäftsführerin Annika-Christine Weisheit das öffentliche Wohnzimmer im ehemaligen Gasthof Stadt Frankfurt in der Obertorstraße 5 vor. Das Projekt wurde mit einem weiterentwickelten Konzept und innovativen Angeboten rund um das Thema Ernährung für die kommenden Jahre zukunftsfähig aufgestellt.

Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam essen. Gemeinsam leben.“ soll das öffentliche Wohnzimmer ein Ort der Begegnung, Gemeinschaft und gegenseitigen Unterstützung sein. Dabei geht es nicht nur um Ernährung, sondern auch darum, Einsamkeit entgegenzuwirken, Kontakte zu ermöglichen und Menschen miteinander in Verbindung zu bringen.

Weisheit verwies auf die gesellschaftliche Bedeutung dieser Aufgabe: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Begegnungsorte wie das öffentliche Wohnzimmer können dazu beitragen, Barrieren abzubauen und Menschen unabhängig von ihrer persönlichen Lebenssituation zusammenzubringen.

Für die kommenden zwei Jahre sind regelmäßige Formate geplant, die Ernährung, Kultur und gemeinsames Lernen miteinander verbinden. Die Angebote sollen Raum schaffen, um Neues auszuprobieren, voneinander zu lernen und den eigenen Horizont zu erweitern. Dabei steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt: Gemeinsam kochen, essen, sich austauschen und etwas miteinander gestalten.

Ideen entstehen im gemeinsamen Austausch

Im Anschluss an die Vorträge nutzten die Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, Fragen zu stellen, miteinander ins Gespräch zu kommen und über Möglichkeiten des persönlichen Engagements zu diskutieren.

Dabei wurden auch konkrete Ideen entwickelt. So entstand beispielsweise der Vorschlag, ein Angebot zum Umgang mit Kräutern und deren Verwendung in der Küche zu gestalten. Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Frage: Wo besteht Bedarf, wer hat Interesse und welche Angebote lassen sich miteinander entwickeln?

Die Veranstaltung zeigte, dass Teilhabe dort lebendig wird, wo Menschen ihre Ideen einbringen können und aus Begegnungen gemeinsames Handeln entsteht. Nicht fertige Lösungen stehen im Vordergrund, sondern ein offener Prozess, in dem Bedürfnisse wahrgenommen, Möglichkeiten ausgelotet und neue Wege gemeinsam beschritten werden.

Engagement ist willkommen

Zum Abschluss wurde deutlich, dass die Teilhabearbeit auch in Zukunft auf verlässliche Netzwerke, offene Räume und engagierte Menschen angewiesen ist. Bestehende Angebote sollen erhalten und weiterentwickelt sowie neue Möglichkeiten der Mitwirkung geschaffen werden.

„Wir sind immer interessiert an zuverlässiger und ständiger Mitarbeit“, erklärte Jürgen Kurz. Gesucht werden Menschen, die sich mit ihren Fähigkeiten, Ideen und ihrer Zeit einbringen möchten – sei es bei bestehenden Angeboten oder bei der Entwicklung neuer Projekte.

Jeder Mensch kann etwas beitragen. Interessierte, die sich in der Teilhabearbeit engagieren oder eigene Ideen einbringen möchten, sind herzlich eingeladen, Kontakt zum Diakonischen Werk im Schwalm-Eder-Kreis aufzunehmen.

Das nächste Stadtgespräch findet im Gasthaus Krone am Donnerstag, dem 22.10.2026, um 19 Uhr statt. Thema wird sein: „Die städtische Gemeinwesenarbeit in Homberg“, Referentin: Frau Dipl.-Sozialpädagogin Daria Klevinghaus. (di)