Schlossberg
Fünf Jahre später: Am Homberger Schloßberg wächst ein vielfältiger neuer Wald
Waldbegang zeigt, wie natürliche Verjüngung und gezielte Pflanzungen gemeinsam einen vielfältigen jungen Wald entstehen lassen
Was vor fünf Jahren infolge von Trockenheit, Eschentriebsterben und den dadurch notwendig gewordenen Verkehrssicherungsmaßnahmen noch von größeren Freiflächen geprägt war, zeigt heute ein deutlich anderes Bild: Die Natur hat sich viele dieser Flächen inzwischen selbst zurückerobert. Ergänzt durch die Pflanzungen von Stadt und Forstamt wächst am Homberger Schloßberg heute ein junger und ausgesprochen vielfältiger Wald heran. Beim öffentlichen Waldbegang am Mittwoch, 26. August, konnten 27 Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit dem Leiter des Forstamts Neukirchen, Florian Koch und dem Bürgermeister der Stadt Homberg (Efze), Dr. Nico Ritz, unmittelbar vor Ort verfolgen, wie sich die Wiederbewaldung entwickelt hat – und welche Aufgaben nun auf die Forstleute warten.
Florian Koch und sein Team von HessenForst begrüßten die Gruppe zu Beginn des Waldbegangs am Fuße des Schloßbergs. Das Forstamt Neukirchen betreut das städtische Forsteigentum. Dabei sei, so Florian Koch, die forstliche Zielsetzung für den Schloßberg nicht die forstwirtschaftliche Bewirtschaftung, sondern der Erhalt des Naherholungsgebietes Schloßberg.
Der Blick zurück machte deutlich, warum der Eingriff damals notwendig geworden war. Mehrere außergewöhnlich trockene Jahre hatten den Wald stark belastet. Besonders das Eschentriebsterben setzte zahlreichen Bäumen zu. Viele waren geschädigt oder bereits abgestorben. Weil der Schloßberg von Spaziergängern und Wanderern intensiv genutzt wird, stellten instabile Bäume eine erhebliche Gefahr dar. Die umfangreichen Fällungen waren daher vor allem aus Gründen der Verkehrssicherheit erforderlich.
650 junge Bäume und Sträucher aus insgesamt 23 verschiedenen Arten
Forstamtsleiter Florian Koch erläuterte auf dem Rundgang an verschiedenen Stationen die unterschiedlichen ökologischen Eigenschaften der Baumarten, ihre jeweiligen Standortansprüche und ihre Fähigkeit, mit Trockenheit, Wärme und anderen Folgen des Klimawandels umzugehen. Dabei wurde deutlich, warum gerade die Vielfalt unterschiedlicher Baumarten für die künftige Stabilität des Waldes am Schloßberg von besonderer Bedeutung ist. Bereits im April 2021 hatten Forstamt und Stadt bei einem ersten öffentlichen Waldbegang erläutert, weshalb die Maßnahmen notwendig waren und wie es mit den betroffenen Flächen weitergehen sollte. Dabei war von Anfang an klar: Der neue „Wald der Zukunft“ sollte nicht einfach eine Kopie des alten Bestandes werden.
Stattdessen wurde auf Vielfalt gesetzt. Rund 650 junge Bäume und Sträucher aus insgesamt 23 verschiedenen Arten wurden gepflanzt. Darunter befinden sich beispielsweise Wildapfel, Wildbirne und Wildkirsche, Elsbeere, Speierling und Eberesche sowie verschiedene Ulmenarten und zahlreiche Sträucher. Hinzu kam die natürliche Verjüngung, mit der der Wald selbst einen wichtigen Beitrag zu seiner Erneuerung leistet.
Mischwald erhöht Widerstandsfähigkeit des künftigen Waldes
Gerade diese Mischung ist mit Blick auf den Klimawandel von großer Bedeutung. Welche Baumarten mit den Bedingungen der kommenden Jahrzehnte am besten zurechtkommen werden, lässt sich heute nicht mit Sicherheit vorhersagen. Hitze, Trockenheit, Krankheiten und Schädlinge können die verschiedenen Arten unterschiedlich stark treffen. Ein möglichst breites Artenspektrum soll deshalb die Risiken verteilen und die Widerstandsfähigkeit des künftigen Waldes erhöhen.
Fünf Jahre nach den ersten Pflanzungen zeigt sich nun, wie dynamisch die Entwicklung tatsächlich ist. Auf vielen Flächen haben sich vor allem Bergahorn und Esche besonders zahlreich natürlich verjüngt. Für die Förster ist das zunächst eine erfreuliche Nachricht: Der Standort besitzt offensichtlich eine große natürliche Regenerationskraft.
Doch ausgerechnet der Erfolg der Naturverjüngung bringt eine neue Herausforderung mit sich. Bergahorn und Esche wachsen konkurrenzstark und können andere, seltenere Baumarten mit der Zeit verdrängen. Die gezielt gepflanzten Arten brauchen jedoch ausreichend Licht und Raum, damit sie sich dauerhaft im Bestand behaupten können.
Mischwuchsregulierung
Deshalb beginnt nun die nächste Etappe der Waldentwicklung: Im kommenden Winter sollen erste Bereiche gezielt gepflegt werden. Bei dieser sogenannten Mischwuchsregulierung geht es ausdrücklich nicht darum, den jungen Wald großflächig auszudünnen. Vielmehr sollen einzelne stark konkurrierende Bäume dort zurückgenommen werden, wo dies notwendig ist, damit auch langsam wachsende und seltenere Baumarten eine Entwicklungschance bekommen.
So wird am Schloßberg bereits heute entschieden, wie der Wald von morgen aussehen könnte. Das Ziel ist ein artenreicher, vitaler und möglichst klimastabiler Mischwald, der nicht nur den veränderten klimatischen Bedingungen besser gewachsen sein soll, sondern auch künftig Lebensraum, Naturerlebnis und Erholungsraum für die Menschen bietet.
Der Waldbegang machte dabei vor allem eines anschaulich: Waldentwicklung ist kein kurzfristiges Projekt. Zwischen Fällung, Pflanzung, natürlicher Verjüngung und gezielter Pflege liegen viele Jahre – und jede Phase bringt neue Herausforderungen mit sich. Was heute noch wie ein junger Bestand aussieht, soll sich langfristig zu einem stabilen Wald entwickeln.
Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bot der zweistündige Rundgang deshalb mehr als einen Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre. Zwischen jungen Bäumen und nachwachsender Natur wurde sichtbar, wie vielfältig die Wege sein können, auf denen sich ein Wald regeneriert – und wie wichtig es ist, diese Entwicklung fachkundig zu begleiten. (di)
© Uwe Dittmer
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