Reformationsstadt Europas
Festlicher Auftakt: Hessen feiert „500 Jahre Reformation“
Großer Festakt in der Stadtkirche
Mit einem eindrucksvollen Festakt in der Stadtkirche St. Marien ist das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation in Hessen“ feierlich eröffnet worden. Rund 210 geladene Gäste aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft versammelten sich an jenem historischen Ort, an dem 1526 die Homberger Synode stattfand – ein Meilenstein der hessischen und europäischen Reformationsgeschichte.
Eingeladen hatten die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die gemeinsam an die wegweisenden Ereignisse vor fünf Jahrhunderten erinnern.

Geschichte erzählen – Zukunft gestalten
„Wir wollen nicht zum Mekka aller Evangelischen werden, sondern nachhaltig Geschichte erzählen“, betonte Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz in einem Interview am Rande der Veranstaltung. Die Homberger Synode sei das bedeutendste Ereignis der Stadtgeschichte. Zwei Jahre intensiver Vorbereitung lägen hinter den Organisatoren – nun beginne ein Festjahr, das weit über historische Rückschau hinausreiche.
Gemeinsam mit Dekanin Sabine Tümmler, Präses Dr. Michael Schneider (EKKW) und Präses Dr. Birgit Pfeiffer (EKHN) hieß Ritz die Gäste willkommen. Das Jubiläum sei ein gemeinsamer Auftrag für Gegenwart und Zukunft, unterstrich Pfeiffer: „Es geht um Begegnung, Gestaltung und Erneuerung.“ Sabine Tümmler sprach von einem Jahr, in dem „viele Köpfe, Hände und Herzen für Glauben, Demokratie und Gemeinschaft einstehen“.
Europäische Dimension und bleibende Impulse
Die europäische Tragweite der Reformation beleuchtete Festredner Dr. Mario Fischer, Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), aus Wien. Die Reformation habe Menschen eine neue Stellung vor Gott und in der Gesellschaft eröffnet.
Im Mittelpunkt stand dabei die Homberger Synode von 1526, initiiert vom erst 22-jährigen Landgraf Philipp I. von Hessen. Er lud zur Mitwirkung und Beteiligung ein – ein früher Impuls für Partizipation und Selbstwirksamkeit. Weitere nachhaltige Wirkungen seien der Schutz von Gewissens- und Religionsfreiheit, eine respektvolle Streitkultur, die Förderung von Bildung sowie neue Formen sozialer Verantwortung gewesen. Die Reformation sei, so Fischer, „eine befreiende Kraft des Evangeliums“ gewesen – und bleibe es.

Kirche gemeinsam gestalten
In zwei Gesprächsrunden unter der Moderation von Propst Dr. Volker Mantey diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Wissenschaft über die Aktualität reformatorischer Prinzipien.
Mitwirkende waren unter anderem Bischöfin Dr. Beate Hofmann (EKKW), Regierungspräsident Mark Weinmeister, der Bischof des Bistum Fulda, Dr. Michael Gerber, sowie Prof. Dr. Evelyn Korn von der Philipps-Universität Marburg und Bischof Hans-Jörg Voigt von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK).
Deutlich wurde: Leitung und Ordnung der Kirche sind Gemeinschaftsaufgaben. „Wir gestalten Kirche gemeinsam“, lautete die zentrale Botschaft. Bildung und Diakonie gehörten von Beginn an zum reformatorischen Selbstverständnis – und seien heute aktueller denn je.

Klangvoller Glanz im Kirchenraum
Sonnenstrahlen tauchten das historische Gotteshaus in warmes Licht, während musikalische Werke von Johann Sebastian Bach den Festakt veredelten. Vokalsolisten, das Barockorchester „La Visione“ auf historischen Instrumenten sowie die Homberger Kantorei unter Leitung von Bezirkskantor Andrej Romanov gestalteten ein Programm von außergewöhnlicher Strahlkraft. Musik und Wort verbanden sich zu einem feierlichen Gesamterlebnis.
Hintergrund: Die Homberger Synode von 1526
Im Jahr 1526 versammelten sich in der Stadtkirche St. Marien geistliche und weltliche Stände, um öffentlich über Glauben und Kirchenordnung zu beraten. Bürger erhielten Mitsprache in kirchlichen und politischen Fragen – ein Novum in der damaligen Zeit.
Zwar trat die ausgearbeitete Kirchenordnung nie vollständig in Kraft, doch sie setzte weitreichende Veränderungen in Gang: Bildungsreformen, soziale Einrichtungen und neue Formen kirchlichen Lebens prägten fortan die Landgrafschaft Hessen und darüber hinaus.
Ein Jahr voller Veranstaltungen
Das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation in Hessen“ lädt mit zahlreichen Gottesdiensten, Konzerten, Vorträgen und Begegnungsformaten dazu ein, Geschichte lebendig werden zu lassen und Impulse für die Zukunft zu setzen.
Alle Informationen zu Veranstaltungen und Projekten sind online abrufbar unter: www.synode500.de (di)
Hinweis: Einen Filmbericht über den Festakt zeigt der Hessische Rundfunk in der „hessenschau“ (abrufbar in der Mediathek): Hessenschau

