Tag des offenen Denkmals
Besucher kamen trotz Regens in Museen, auf die Hohenburg, in die Reformationskirche und zur Kabarett-Veranstaltung in die Stadthalle
Rund 100 Besucherinnen und Besucher kamen
Der Regen wollte an diesem Sonntag einfach nicht aufhören. Doch davon ließen sich die Besucherinnen und Besucher in Homberg nicht abschrecken. Rund 100 Menschen nutzten den 13. September 2026, um beim Tag des offenen Denkmals Geschichte, Kultur und besondere Orte der Kreisstadt zu entdecken.
Im Mittelpunkt stand dabei die Homberger Synode von 1526, deren 500-jähriges Jubiläum in diesem Jahr im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen steht. Aber auch abseits der Reformationsgeschichte gab es an diesem Tag viel zu entdecken: Drei Museen und Einrichtungen öffneten ihre Türen und boten den Besuchern Einblicke in die Geschichte und Kultur der Stadt. Den kulturellen Abschluss beziehungsweise ein weiteres Highlight bildete die Kabarett-Veranstaltung in der Reihe „Hör-mal im Denkmal“ in der Stadthalle. Zu Gast war der Kabarettist und Musiker Michael Krebs, der sein Jubiläumsprogramm „OPTIMISMUS – jetzt stark reduziert“ präsentierte.
Franz Lambert bittet zur Audienz

Besonders anschaulich wurde die Geschichte in der Reformationskirche St. Marien. Dort begegneten die Besucher einem Mann, der eigentlich seit knapp 500 Jahren tot ist: Franz Lambert von Avignon.
Natürlich steckte dahinter Stadtführer Mike Luthardt, der für die Führung in die historische Rolle des französischen Theologen schlüpfte. Als Lambert berichtete er von den Ereignissen rund um die Homberger Synode, stellte die beteiligten Persönlichkeiten vor und machte deutlich, welche unterschiedlichen Interessen und Forderungen im Jahr 1526 aufeinandertrafen.
Für die Besucher, die auch aus Wabern und Fritzlar kamen, wurde so aus Geschichte ein lebendiges Erlebnis. Statt trockener Jahreszahlen ging es um Menschen, Überzeugungen und die Frage, wie die Kirche in Hessen künftig aussehen sollte.
Homberg und der große Streit um die Reformation
Dabei stand in Homberg vor 500 Jahren einiges auf dem Spiel. Landgraf Philipp der Großmütige hatte im Oktober 1526 geistliche und weltliche Vertreter in die Stadt eingeladen. Der gerade einmal 22-jährige Landgraf wollte klären lassen, welchen Weg die Kirche in seiner Landgrafschaft einschlagen sollte.
Mit Franz Lambert von Avignon hatte er dafür einen überzeugten Vertreter der Reformation an seiner Seite. Lambert legte seine Vorstellungen für eine Neuordnung der Kirche in 158 Thesen vor. Seine sogenannten Homberger Thesen wurden zur Grundlage der Beratungen.
Die Diskussionen waren grundsätzlicher Natur: Es ging um Gottesdienst und Glaubensleben, um die Aufgaben der Geistlichen und um die künftige Organisation der Kirche. Schließlich entstand die „Reformatio ecclesiarum Hassiae“, eine neue Kirchenordnung für Hessen.
Sie wurde zwar nicht vollständig umgesetzt. Trotzdem gilt die Synode als wichtiger Meilenstein auf dem Weg Hessens zur Reformation. Homberg erhielt damit einen festen Platz in der hessischen Geschichte – und die Stadtkirche St. Marien ihren Ruf als Reformationskirche Hessens.
Museen öffneten ihre Türen
Wer nach der Führung noch mehr über die Geschichte Hombergs erfahren wollte, hatte beim Tag des offenen Denkmals reichlich Gelegenheit dazu.
Die ständigen Ausstellungen im Heimatmuseum, im Haus der Reformation und im Hohenburgmuseum waren geöffnet.
Bei zwei Führungen auf der Hohenburg mit Alfred Uloth konnten zudem insgesamt rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßt werden. Sie waren nicht nur aus Homberg gekommen. Gäste aus Bielefeld und Freiburg zeigten, dass die Geschichte der Stadt auch über die unmittelbare Region hinaus auf Interesse stößt.
So wurde der Tag zu einer Entdeckungsreise durch unterschiedliche Kapitel der Homberger Vergangenheit – von der Reformation über die Stadtgeschichte bis hin zu den historischen Gebäuden und Sammlungen.
Geschichte trifft Kultur
Der Tag des offenen Denkmals beschränkte sich dabei nicht allein auf historische, denkmalgeschützte Gebäude und Museen. Auch die Kabarett-Veranstaltung in der Stadthalle gehörte zum abwechslungsreichen Programm des Tages und setzte einen bewussten kulturellen Kontrapunkt zur historischen Zeitreise.
Damit zeigte Homberg, wie unterschiedlich Geschichte und Kultur erlebbar sein können: bei Führungen, in Ausstellungen, an historischen Orten – und schließlich auch auf der Bühne.
Das Wetter spielte an diesem Sonntag zwar nicht mit. Die Besucher offenbar schon. Sie ließen sich vom Regen nicht abhalten und sorgten dafür, dass der Tag des offenen Denkmals in Homberg zu einem gelungenen Tag für Geschichte und Kultur wurde.
500 Jahre nach der Homberger Synode wurde deutlich, dass die Geschichte der Stadt heute noch auf Interesse stößt und dort weiterlebt, wo Menschen sie in Denkmälern lebendig erzählen, zeigen und gemeinsames Erleben schaffen. (di)
© Uwe Dittmer
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