Bild vom Rathaus
© Mike Luthardt

Stadtgeschichte

Homberg an der Efze – von den frühen Siedlungsspuren bis zur Stadtgründung

Eine Stadt mit einer weit älteren Geschichte

© Mike Luthardt

Wer heute durch die Fachwerkgassen von Homberg an der Efze geht, begegnet auf Schritt und Tritt den sichtbaren Zeugnissen einer mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt. Die mächtige Hohenburg, der Marktplatz, die Stadtbefestigung und die Stadtkirche St. Marien vermitteln den Eindruck einer Stadt, deren Geschichte im Mittelalter beginnt.
Doch die Geschichte des Siedlungsplatzes reicht wesentlich weiter zurück. Die schriftliche Überlieferung setzt zwar erst im Mittelalter ein, archäologische Funde zeigen jedoch, dass der Raum des heutigen Homberg bereits Jahrhunderte zuvor von Menschen genutzt wurde. Besonders bemerkenswert ist eine Tonscherbe, die bei archäologischen Untersuchungen eines mittelalterlichen Brunnens in der Homberger Altstadt gefunden wurde. Sie wurde auf die Zeit um 400 n. Chr. datiert und gehört damit in die späte römische Kaiserzeit beziehungsweise die Übergangszeit zur Völkerwanderungszeit.
Damit besitzt Homberg einen archäologischen Hinweis auf menschliche Anwesenheit, der rund 800 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt liegt.

Die römische Tonscherbe – ein kleines Zeugnis aus einer fernen Zeit

Die besondere Bedeutung dieses Fundes liegt gerade darin, dass es sich nur um ein kleines Stück Keramik handelt. Bei archäologischen Untersuchungen in der Homberger Altstadt kamen aus historischen Brunnen zahlreiche Keramikscherben und andere Gegenstände ans Licht. Unter diesen Funden befand sich auch eine Scherbe, die wesentlich älter war als das übrige Material und von Archäologen auf ungefähr 400 n. Chr. datiert wurde.
Die Scherbe beweist nicht, dass zu dieser Zeit bereits eine Stadt Homberg existierte. Sie ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass der heutige Homberger Raum schon in der Spätantike von Menschen genutzt wurde. Ob es sich dabei um eine dauerhafte Siedlung, einzelne Höfe oder andere Formen menschlicher Nutzung handelte, lässt sich aus diesem einzelnen Fund nicht sicher bestimmen.
Gerade deshalb ist die Scherbe ein interessantes Beispiel dafür, wie sich Ortsgeschichte aus unterschiedlichen Quellen zusammensetzt: Die Archäologie kann eine wesentlich ältere menschliche Nutzung des Platzes sichtbar machen, während die schriftlichen Quellen erst Jahrhunderte später eine konkrete Siedlung nennen.

Von der Burgsiedlung zur mittelalterlichen Stadt

© Mike Luthardt

Die schriftliche Geschichte Hombergs setzt im Mittelalter ein. Eine frühe Nennung findet sich im Jahr 1162, als ein „Rentwig de Hohenberg“ in den Quellen erscheint. Der Name verweist auf die Hohenburg und das mit ihr verbundene Adels- beziehungsweise Ministerialengeschlecht.
Die Lage des Ortes war für seine weitere Entwicklung von großer Bedeutung. Hoch über dem späteren Stadtkern erhob sich die Hohenburg auf ihrem markanten Basaltkegel. Von dort ließ sich das Umland weithin überblicken. Gleichzeitig lag Homberg an wichtigen mittelalterlichen Verkehrswegen. Die Verbindung von Burg, Verkehrswegen und Siedlung schuf günstige Voraussetzungen für die Entwicklung eines bedeutenden Herrschafts- und Handelsplatzes.
Im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert wurde Homberg zunehmend in die politischen Interessen der Thüringer Landgrafen einbezogen. Aus der älteren Burg- und Siedlungslandschaft entwickelte sich im frühen 13. Jahrhundert die mittelalterliche Stadt.

1231 – Homberg tritt als Stadt ins Licht der Geschichte

© Mike Luthardt

Ein entscheidendes Datum ist dabei das Jahr 1231.
In einer Urkunde des Cappeler Stifts erscheint Eberhard von Homberch als villicus, also als Verwalter. Die Quelle steht zugleich im Zusammenhang mit den Homberger Bürgern (burgenses). Damit wird Homberg als bereits organisierter städtischer Gemeinwesen greifbar.
Das Jahr 1231 kann deshalb als ein entscheidender Meilenstein der Homberger Stadtgeschichte gelten. Es ist allerdings weniger als plötzlicher Gründungsakt zu verstehen, sondern vielmehr als schriftlicher Beleg für einen Prozess, der bereits zuvor begonnen hatte.
Die Entwicklung zur Stadt war wahrscheinlich das Ergebnis eines längeren Vorgangs: Eine ältere Siedlung wurde planmäßig erweitert, die Bevölkerung nahm zu, Handwerk und Handel entwickelten sich und die Stadt erhielt zunehmend die für ein mittelalterliches Gemeinwesen typischen Einrichtungen.

Die Stadtkirche – Ausdruck des wachsenden Wohlstands

© Mike Luthardt

Zu den eindrucksvollsten Zeugnissen dieser Entwicklung gehört die Stadtkirche St. Marien in der Homberger Altstadt.
Der heutige Kirchenbau entstand nicht auf einmal. An seiner Stelle beziehungsweise an seinem Vorgängerbau stand bereits eine ältere Kirche. Aus einem zunächst romanisch geprägten Kirchenbau entwickelte sich im Laufe des Mittelalters die große gotische Hallenkirche, die bis heute das Stadtbild Hombergs prägt.
Dieser Wandel lässt sich auch im Zusammenhang mit der Entwicklung der Stadt sehen. Eine große steinerne Kirche zu errichten und über Generationen hinweg umzubauen und zu erweitern, erforderte erhebliche finanzielle und handwerkliche Möglichkeiten. Der Ausbau des Gotteshauses kann daher als Ausdruck der wachsenden Bedeutung Hombergs und des Wohlstands seiner Bürgerschaft verstanden werden.
Die gotische Hallenkirche war nicht nur ein religiöses Zentrum. Sie war zugleich ein sichtbares Zeichen des Selbstbewusstseins der Stadt. Die Bürger investierten in einen repräsentativen Sakralbau, der den Rang Hombergs innerhalb der Region unterstrich.
Damit steht die Kirche gewissermaßen exemplarisch für die Entwicklung Hombergs: Aus einer Siedlung im Umfeld einer Burg entstand ein selbstbewusstes städtisches Gemeinwesen mit Handel, Handwerk, Verwaltung und einer repräsentativen Kirche.

Die Homberger Synode von 1526

© Mike Luthardt

Fast drei Jahrhunderte nach der urkundlichen Erwähnung Hombergs erhielt die Stadtkirche eine weitere herausragende Bedeutung.
Im Jahr 1526 wurde Homberg zum Schauplatz eines Ereignisses, das weit über die Stadt hinaus Wirkung entfaltete: der Homberger Synode.
Landgraf Philipp I. von Hessen hatte die Reformation in seinem Herrschaftsgebiet vorangetrieben. In Homberg versammelten sich Geistliche und Vertreter der hessischen Landstände, um über die zukünftige kirchliche Ordnung zu beraten. Die Beratungen fanden in der Stadtkirche statt.
Die Homberger Synode vom 21.-23. Oktober 1526 wurde damit zu einem wichtigen Ereignis in der hessischen Reformationsgeschichte. Der von Franz Lambert von Avignon ausgearbeitete Entwurf einer neuen Kirchenordnung in 158 Thesen, die sogenannte Reformatio ecclesiarum Hassiae, wurde dort erstmals vorgestellt und beraten. Zwar wurde dieser Entwurf nicht unmittelbar als endgültige Kirchenordnung übernommen, doch die Synode markierte einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zur Neuordnung des Kirchenwesens in Hessen.
Die Stadtkirche wurde damit von einem mittelalterlichen Zentrum des städtischen Lebens zu einem Ort, an dem über die religiöse und kirchliche Zukunft eines ganzen Territoriums beraten wurde.

Ein weiter Bogen von der Spätantike zur Reformation

Betrachtet man diese Entwicklung im Zusammenhang, entsteht ein bemerkenswert langer historischer Bogen.
Die kleine Tonscherbe aus der Zeit um 400 n. Chr. steht am Anfang unserer heutigen archäologischen Kenntnis über die frühe Nutzung des Siedlungsraumes. Jahrhunderte später entstand im Umfeld der Hohenburg eine mittelalterliche Siedlung, die sich im frühen 13. Jahrhundert zu einer Stadt entwickelte.
Mit der urkundlichen Erwähnung von 1231 tritt Homberg eindeutig in das Licht der schriftlich überlieferten Stadtgeschichte. Der wachsende Wohlstand und die zunehmende Bedeutung des Gemeinwesens spiegelten sich unter anderem im Ausbau der Stadtkirche wider. Aus dem älteren Kirchenbau einer fränkischen Basilika entwickelte sich die eindrucksvolle gotische Hallenkirche, die noch heute das historische Zentrum prägt.
Und schließlich wurde genau dieses Gotteshaus im Jahr 1526 zum Schauplatz der Homberger Synode und damit zu einem Ort von Bedeutung für die Reformationsgeschichte Hessens.

Was ist also das „Alter“ Hombergs?

Die Frage nach dem Alter Hombergs lässt sich deshalb nicht mit einer einzigen Jahreszahl beantworten.
Archäologisch reicht die Geschichte des heutigen Siedlungsraumes mindestens bis in die Spätantike zurück. Die um 400 n. Chr. datierte Tonscherbe ist hierfür ein wichtiges Indiz.
Im Mittelalter wird Homberg spätestens im 12. Jahrhundert durch die schriftliche Überlieferung greifbar. Die Hohenburg und die mit ihr verbundene Herrschaft bildeten einen wesentlichen Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung.
Als Stadt ist Homberg spätestens im Jahr 1231 eindeutig belegt. Zu diesem Zeitpunkt bestanden bereits eine Bürgerschaft und städtische Strukturen.
Als bedeutendes religiöses Zentrum erhielt Homberg mit dem Ausbau seiner Stadtkirche zur gotischen Hallenkirche ein Bauwerk, das den wachsenden Wohlstand und das Selbstbewusstsein der Stadt sichtbar machte.
Und 1526 wurde die Stadtkirche schließlich zum Ort der Homberger Synode, bei der über die Neuordnung des Kirchenwesens im reformierten Hessen beraten wurde.
Hombergs Geschichte beginnt somit nicht erst mit seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Vielmehr handelt es sich um eine über Jahrhunderte andauernde Entwicklung: von frühen menschlichen Spuren über Burg und Siedlung zur mittelalterlichen Stadt und schließlich zu einem bedeutenden Schauplatz der hessischen Reformationsgeschichte.
Die römische Tonscherbe aus dem Brunnen und die Urkunde von 1231 markieren dabei zwei besonders wichtige Eckpunkte. Zwischen ihnen liegen Jahrhunderte, in denen aus einem früh genutzten Siedlungsraum eine befestigte Burgsiedlung und schließlich eine selbstbewusste mittelalterliche Stadt entstand.
Die Stadtkirche St. Marien macht diese Entwicklung bis heute anschaulich. Sie ist nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern gleichsam ein steinernes Zeugnis für den Aufstieg Hombergs: von den Anfängen der Siedlung über den Wohlstand der mittelalterlichen Bürger bis zu jenem geschichtsträchtigen Herbst des Jahres 1526, als in ihren Mauern über die Zukunft der Kirche in Hessen beraten wurde. Uwe Dittmer