20 Digitalarbeiter sollen Projekte für die Stadt Homberg entwickeln

Stadt Homberg will mit „Summer of Pioneers“ Digitalisierung in Stadt und Land vorantreiben

Es ist ein ambitioniertes Experiment, das neue Projekte und digitale Jobs in der Homberger Altstadt generieren und etablieren möchte. Diese Initiative nahm in der Stadt Wittenberge im Land Brandenburg ihren Anfang. Homberg ist die zweite Stadt, in der das Projekt bundesweit realisiert wird. In Homberg startet es für Hessen zum ersten Mal. Dabei möchte die Initiative einen „positiven Blick aufs Land“ werfen.

Von der Großstadt aufs Land ziehen

Es geht darum, das Digitalarbeiter aus der Großstadt hinaus aufs Land ziehen und dort arbeiten. Junge Menschen aus Ballungszentren, die für ihre Arbeit nur einen Internetanschluss brauchen, sollen in der Altstadt leben und im Gegenzug Projekte in der Stadt Homberg entwickeln. Für die Stadt Homberg sei dies ein Experiment und es passe gut zum Cittaslow-Gedanken, sagte Bürgermeister Dr. Nico Ritz.

 Homberg hat gute Voraussetzungen

 „Wir haben hier gute Voraussetzungen dafür, Leben und Arbeiten unter einen Hut zu bringen“, so Dr. Ritz. 20 Pioniere sollen in Homberg für ein halbes Jahr in einer Art Campus rund um den Marktplatz leben und digital arbeiten. Gearbeitet wird in einem „Coworking Space“, in dem Gemeinschaftsarbeitsplätze, ein Konferenzraum sowie Interaktionsflächen für Teams zur Verfügung stehen. Die 20 Teilnehmer erhalten möblierte Wohnungen in Fachwerkhäusern der Altstadt, dabei unterstützt sie die Stadt.

 Große Chance für Homberg

Im Gegenzug sollen sie mit ihren Projekten und Ideen die Stadt voranbringen. Einen Wissenstransfer soll es mit kreativen Köpfen aus der Region Homberg ebenso geben, wie die Teilnahme am Homberger Kulturprogramm.

Ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung
Inzwischen ist dieses Projekt in einem landesweiten Zusammenhang zu betrachten. Denn das Regionalmanagement Nordhessen in Kassel möchte ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung für die Region auf dem Land entstehen lassen. Das ist jedenfalls der Wunsch von nordhessischen Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft. Diese und andere Ideen haben sie Hessens Ministerin für Digitalisierung Kristina Sinemus (CDU) bei einem virtuellen runden Tisch vorgestellt.  Davon erhofften sie sich eine Unterstützung aus der Landespolitik. Zusagen machte die Ministerin jedoch noch nicht. Man wolle die Digitalisierungsaktivitäten in der Region jedoch auf jeden Fall bündeln, hieß es von der Ministerin, die die Vorschläge grundsätzlich positiv bewertete.

Sie sprach dann auch ein Lob für das Homberger Projekt „Summer of Pioneers“ aus. Arbeitsraum und Arbeitszeit seien, so die Ministerin, verstärkt durch die Coronakrise immer flexibler geworden. Mobiles Arbeiten sei gerade im ländlichen Raum eine große Chance. „Wir wollen direkte Teilhabe ermöglichen, und da sind solche Projekte genau das Richtige.“

Manuel Krieg vom Regionalmanagement Nordhessen, das das virtuelle Treffen mit der Ministerin organisiert hatte, weiß, dass es schon ein Zentrum für digitale Innovation in Darmstadt gibt. Man wünsche sich jedoch zumindest einen Ableger in der Region, um nordhessische Belange besser einbringen zu können. Dieses Zentrum soll Unternehmen und Kommunen auf dem Land beim Thema Digitalisierung beraten und unterstützen. Denn viele Unternehmen im ländlichen Raum klagen über mangelnde Infrastruktur (Quelle: HNA).

Lust aufs Land machen

Es brauche manchmal nicht viel, um Lust aufs Land zu machen. Und genau das soll mit dem Summer of Pioneers geschehen, sagt Jonathan Linker von dem Gründer-Netzwerk „Homeberger“. Durch ihn ist die Verbindung zu dem Berliner Journalisten Frederik Fischer entstanden. Und Lust haben 20 Interessenten aus Kassel, St. Peter Ording, Bonn, Hamburg, Berlin, Bad Sooden, und Wiesbaden.

Summer of Pioneers passt zur Cittaslow Homberg

Dieses Jahr ist ein guter Zeitpunkt, weil noch Leerstände am Marktplatz genutzt werden können. Außerdem erhält die Cittaslow Homberg durch das Projekt zusätzlichen Schwung. Jonathan Linker, der das Projekt in Homberg mit dem Ko-Dorf-Geschäftsführer Frederik Fischer betreuen wird, schreibt auf der Internetseite https://homberg-pioneers.de/:

„Homberg ist als „Cittàslow“ eine Stadt, die sich der Nachhaltigkeit und Förderung regionaler Besonderheit verschrieben hat. Cittàslow ist ein Städtenetzwerk, dem weltweit über 200 und in Deutschland 22 Kommunen unter 50.000 Einwohnern angehören. Ziel einer Cittàslow ist, lokal Antworten auf globale Herausforderungen zu finden. Dazu zählt die Suche nach dem Kern kleinstädtischer Lebensqualität im 21. Jahrhundert ebenso wie die Unterstützung der Klima- und Artenschutzbestrebungen der Vereinten Nationen. Zu dem Zukunftsanspruch der Stadt passt, dass von hier aus gerade Europas größtes Breitbandprojekt koordiniert wurde. 2.200 Kilometer Glasfaser wurden verlegt, um schnelles Internet in 570 nordhessische Orte zu bringen. Das Land ist nicht was es war und bleibt nicht was es ist. Homberg hat das erkannt und gibt Menschen mit guten Ideen den Raum sie zu entfalten.“ (di)