Denkmalschutz

Dach traditionell mit Strohdocken und alten Ziegeln wetterfest eingedeckt

Altes Grebenhaus der Hofanlage jetzt vor Regen geschützt

Elf angehende Restauratoren im Zimmererhandwerk aus Kassel saßen auf dem Dach des alten Grebenhauses in Mühlhausen. Ihr Ziel: das Dach des alten Grebenhauses der Hofanlage an der Frielendorfer Straße 4 in Mühlhausen wetterfest mit den alten Ziegeln und einer traditionellen Isolierung einzudecken. Die Zimmerermeister machen eine Qualifizierung zum Master Professional „geprüfter Restaurator im Zimmererhandwerk“, dies ist der zweite Studienjahrgang nach der neuen Prüfungsordnung am Bundesbildungszentrum für Zimmerei und Ausbaugewerbe (Bubiza) in Kassel.

Ziel dieser Exkursion „historische Dacheindeckung“, die einen Teil der praktischen Ausbildung darstellt und von den Ausbildern und Restauratoren Rainer Scherp und Ulrich von Teubern betreut wird, ist der Erhalt der historischen Ansicht des denkmalgeschützten Gebäudes. Insbesondere das Dach, die Fenster und das Fachwerk prägen das historische Erscheinungsbild eines Gebäudes. Dabei war es nicht einfach, die Strohdocken aus Roggenstroh heute zu besorgen. Der Restaurator Horst Oltmer musste sie aus Norddeutschland, aus dem Emsland holen. Das Roggenstroh, das per Hand zu einem Fächer gebunden wird, wird in die Zwischenräume von Dachlattung und Ziegel gelegt, schließt sie ab und sorgt so dafür, dass keine Feuchtigkeit in den Dachstuhl eindringen kann und der Dachinnenraum gut durchlüftet bleibt.

Dieses historische Eindecken wird heute kaum noch praktiziert. Es sorgt aber auch dafür, dass das Haus wie aus alten Zeiten anmutet. „Und es zeigt, wie die Häuser früher jahrhundertelang in dieser Region üblich gedeckt wurden“, sagt Horst Oltmer.

Dabei ist die Strohdocke die geeignete Abdichtung für die handgezogenen Tonziegeln. „Die Dachziegel weisen nämlich, weil handgemacht, Unebenheiten auf, die die Strohdocken leicht abdichten“, erklärt Restaurator Rainer Scherp. Erst nach 30 Jahren müssen Teile des Daches umgedeckt werden, weil das Stroh dann teilweise wegfault. 2000 Dachziegel aus dem späten 18. Jahrhundert liegen nun wieder an ihrem angestammten Platz und schützen das Gebäude hoffentlich weitere 200 Jahre vor Regen und Schnee.

Ohne die Zimmerermeister und angehenden Restauratoren jedenfalls hätten sie ihren Platz wohl nicht mehr gefunden. Dr. Annekathrin Sitte von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Schwalm-Eder-Kreises begleitete diesen Einsatz fachlich. Sie unterrichtet Denkmalpflege und Kulturgeschichte am Bundesbildungszentrum für Zimmerei und Ausbaugewerbe (Bubiza) in Kassel. Auch für sie stellt das Grebenhaus einen „Schatz der Denkmalpflege“ dar, besonders die alte Stuckdecke im Obergeschoss mit dem Weinrebenmotiv hat es ihr angetan. (di)