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Rückblick Homberger Stadtgespräche:

Stadtgespräche: Zwischen Stadtentwicklung, Geschichte, Natur und Bildung

Bürgerdialog etabliert sich als neues Format in Homberg (Efze)

Was bewegt Homberg? Wie soll sich die Stadt entwickeln, welche Projekte verdienen besondere Aufmerksamkeit – und welche Ideen bringen die Bürgerinnen und Bürger selbst ein? Mit diesen Fragen sind die „Homberger Stadtgespräche“ Anfang 2026 an den Start gegangen. Bis August entwickelte sich aus der zunächst als Informations- und Diskussionsreihe angelegten Veranstaltung ein vielseitiges Forum für Stadtentwicklung, Geschichte, Kultur, Natur, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Bildung.

Die Stadt Homberg (Efze) hatte das neue Format unter dem Motto „Stadtgespräch: Zusammen mehr erreichen“ eingeführt. Vorgesehen war zunächst, jeweils am dritten Donnerstag im Monat ein konkretes Thema aufzugreifen, Experten einzuladen und anschließend Raum für Fragen und Diskussionen zu geben. Bürgermeister Dr. Nico Ritz verband damit ausdrücklich das Ziel, die Bürgerschaft frühzeitig in Entwicklungen einzubeziehen und Themen nicht erst dann zu diskutieren, wenn alle Entscheidungen bereits getroffen sind.

Auftakt mit Blick auf die Innenstadt

Den Auftakt bildete am 15. Januar 2026 ein Stadtgespräch in der Gaststätte „Krone“. Im Mittelpunkt standen die geplante Entwicklung des „Mikroquartiers Zaubergarten“ und der künftige Stadtzugang zur Altstadt. Architekt Christian Gerlach stellte Planungen und Machbarkeitsüberlegungen vor und erläuterte, wie Wohnen, Begegnung, Grünflächen und gemeinschaftliche Nutzungen miteinander verbunden werden könnten.

Das Interesse war groß: 32 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil. In der anschließenden Diskussion wurden unter anderem barrierefreies Wohnen, Aufenthaltsqualität, Nahversorgung und die Frage nach neuen Begegnungsorten angesprochen. Deutlich wurde dabei, dass Stadtentwicklung für die Teilnehmenden nicht allein eine Frage von Gebäuden und Flächen ist, sondern unmittelbar mit Lebensqualität und dem sozialen Miteinander verbunden wird.

Der Stadtpark als Ort für alle Generationen

Beim zweiten Stadtgespräch am 19. Februar rückte der „Stadtpark Alter Friedhof“ in den Mittelpunkt. Planer Heiko Donath informierte über die geplante Neugestaltung des Parks und dessen künftige Funktion als Naherholungs-, Begegnungs- und Verbindungsraum zwischen Neustadt, Kreisverwaltung, Schulzentrum und Altstadt.

Die seit 2020 laufenden Planungen haben aus dem bisherigen Areal einen attraktiveren Stadtpark mit neuen Grün- und Aufenthaltsbereichen sowie verbesserten Wegeverbindungen gemacht. Dabei wurde auch deutlich, dass Freiraumplanung mehr leisten kann als eine rein gestalterische Aufwertung: Ein Park kann Begegnungen ermöglichen, Aufenthaltsqualität schaffen und unterschiedliche Bereiche der Stadt miteinander verbinden.

Stadtgeschichte wird zum Gesprächsstoff

Das dritte Stadtgespräch am 19. März schlug anschließend eine Brücke in die Vergangenheit. Hombergs Türmer und Stadtführer Mike Luthardt nahm die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch die Stadtgeschichte.

Sein Vortrag verband historische Entwicklungen mit dem Reformationsjubiläum 2026 und gab zugleich Einblicke in die Arbeit als Stadtführer und Türmer. Eine virtuelle Turmführung und persönliche Anekdoten machten Geschichte anschaulich. Der fast zweistündige Abend bot immer wieder Gelegenheit für Nachfragen und Gespräche.

Damit zeigte sich zugleich die thematische Bandbreite des neuen Formats: Die Stadtgespräche sollten nicht ausschließlich aktuelle Bau- und Planungsprojekte behandeln, sondern auch Themen aufgreifen, die für Identität und Selbstverständnis der Stadt von Bedeutung sind.

Kultur als Motor für Beteiligung

Im April ging es um die Verbindung von Kultur, Demokratie und gesellschaftlicher Beteiligung. Das Stadtgespräch am 16. April widmete sich dem Projekt „Kultur.Pflanzen.Knüll“. Gloria Dittmar-Wegner vom Zweckverband Knüllgebiet stellte das im Rahmen von „Aller.Land“ entwickelte Projekt vor. Dabei geht es darum, Kulturprojekte mit demokratischer Beteiligung und einem regionalen Schwerpunkt auf das Thema Garten zu verbinden. Gärten sollen dabei als sogenannte „Dritte Orte“ verstanden und gestärkt werden – also als Räume, in denen Menschen unabhängig von Herkunft oder Lebenssituation zusammenkommen können.

Bereits umgesetzte Projekte wie „Hinter Hecken verstecken“, Bildungsworkshops oder ein Windradbau-Workshop zeigten, wie vielfältig dieser Ansatz sein kann. Im Mittelpunkt stand weniger die klassische Kulturförderung als vielmehr die Frage, wie Kultur Begegnung schafft und Menschen dazu bringt, sich aktiv in ihre Region einzubringen.

Artenvielfalt wird zur kommunalen Aufgabe

Im Mai verlagerte sich der Schwerpunkt vom kulturellen in den ökologischen Bereich. Beim Stadtgespräch am 21. Mai ging es um „Ökologisches Grünflächenmanagement in den Siedlungsgebieten des Naturparks Knüll“.

Janica Buschbeck vom Naturpark Knüll und die Klimaschutzmanagerin der Stadt Homberg, Helene Peters, stellten gemeinsam mit dem städtischen Landschaftsgärtner Christian Vaupel Projekte und Erfahrungen vor. Im Zentrum stand die Frage, wie kommunale Grünflächen so gestaltet und gepflegt werden können, dass sie gleichzeitig attraktiv, klimaangepasst und wertvoll für die biologische Vielfalt sind.

Homberg beteiligt sich seit 2024 gemeinsam mit weiteren Kommunen an dem von der KfW geförderten Projekt. Ein wichtiger Schritt war die im Februar verabschiedete Grünflächenstrategie. Bereits umgesetzt wurden unter anderem reduzierte Mähintervalle, artenreiche Staudenflächen, Sandarien und Blühstreifen.

Das Stadtgespräch machte zugleich deutlich, dass ökologische Stadtentwicklung nicht an den Grundstücksgrenzen der Kommune endet. Zum Abschluss wurden deshalb auch Möglichkeiten vorgestellt, wie Bürgerinnen und Bürger mit naturnah gestalteten Gärten und Balkonen selbst einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten können.

Innenstadtentwicklung wird zum zentralen Zukunftsthema

Beim Stadtgespräch am 18. Juni kehrte die Reihe zu einem ihrer zentralen Themen zurück: der Zukunft der Homberger Innenstadt.

Rund 15 Bürgerinnen und Bürger informierten sich über den aktuellen Stand des Städtebauförderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“. Marvin Coker vom Kasseler Planungsbüro ProjektStadt stellte die bisherigen Ergebnisse und den Stand des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts – kurz ISEK – vor.

Dabei flossen auch die Ergebnisse zahlreicher Beteiligungsformate ein, die bereits seit Dezember 2025 durchgeführt worden waren. Die Analysen zeigen ein differenziertes Bild: Die historische Altstadt wird von den Bürgerinnen und Bürgern als große Stärke und identitätsstiftendes Merkmal wahrgenommen. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen bei Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit, Begrünung, öffentlichem Raum und Verkehrsführung.

Unter dem Leitbild „Homberg bewegt: belebt und vielfältig für Jung und Alt“ wurden verschiedene Handlungsfelder formuliert. Dazu gehören die Entwicklung des Gebäudebestands, die Aufwertung öffentlicher Räume, Bildung und Kultur, soziale Angebote, lokale Wirtschaft, Klimaschutz sowie Sport und Bewegung.

Damit wurde das Stadtgespräch zugleich Teil eines größeren Beteiligungsprozesses, der die Entwicklung der Innenstadt für die kommenden zehn bis 15 Jahre vorbereiten soll.

Im August ging der Blick auf die Schule

Nach der Sommerpause widmete sich das Stadtgespräch am 20. August einem ganz anderen Thema: dem außerschulischen Lernen.

Lehrer Sascha Kurzrock von der Erich-Kästner-Schule Homberg erläuterte, was unter einem „außerschulischen Lernort“ zu verstehen ist und welche Chancen solche Lernorte für Schülerinnen und Schüler bieten.

Dabei geht es um mehr als Ausflüge. Museen, historische Orte, Theater, Natur- und Kulturstätten können Unterrichtsinhalte unmittelbar erfahrbar machen. Praktische Erfahrungen, gemeinsames Lernen und der direkte Kontakt mit Menschen und Orten können Motivation und Verständnis fördern.

Die Diskussion stellte deshalb eine grundsätzliche Frage: Wie kann Schule stärker mit der Lebenswelt außerhalb des Klassenzimmers verbunden werden? Ein außerschulischer Lernort kann nach diesem Verständnis dann besonders wertvoll sein, wenn die dort gemachten Erfahrungen anschließend wieder in den Unterricht einfließen.

Im September: Teilhabe ermöglichen – Wie aus Unterstützung Mitwirkung wird

Wie kann es gelingen, Menschen nicht nur Unterstützung anzubieten, sondern ihnen echte Teilhabe und aktive Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen? Dieser Frage widmete sich das Stadtgespräch am Donnerstagabend, 17. September 2026 im Kulturzentrum Krone in Homberg. Unter dem Titel „Teilhabe ermöglichen – Wie aus Unterstützung Mitwirkung wird“ informierten Geschäftsführerin und Diakoniepfarrerin Annika-Christine Weisheit sowie Dipl.-Sozialpädagoge Jürgen Kurz über Erfahrungen, Projekte und Zukunftsperspektiven der Teilhabearbeit des Diakonischen Werks im Schwalm-Eder-Kreis.

Ein Format mit wachsender thematischer Breite

Die Bilanz der ersten Monate zeigt, dass sich die Homberger Stadtgespräche deutlich breiter entwickelt haben, als es der Auftakt mit seinen klassischen Stadtentwicklungsthemen zunächst vermuten ließ.

Von der Innenstadtplanung über den Stadtpark und die Stadtgeschichte bis hin zu Kultur, Demokratie, Artenvielfalt, Städtebauförderung, Bildung und Teilhabe reichte das Spektrum der Veranstaltungen. Gemeinsam war den Abenden der Versuch, Fachinformationen mit persönlichem Austausch zu verbinden.

Auffällig ist dabei auch die Verbindung der einzelnen Themen: Stadtentwicklung wurde nicht ausschließlich baulich verstanden. Aufenthaltsqualität, Grünflächen, Kultur, Begegnungsorte, soziale Teilhabe und Bildung wurden zunehmend als Bestandteile einer lebenswerten Stadt betrachtet.

Die Stadtgespräche wurden damit zu einem zusätzlichen Baustein der Bürgerbeteiligung in Homberg. Sie bieten einen vergleichsweise niedrigschwelligen Zugang zu Themen, die ansonsten häufig in Fachplanungen, politischen Gremien oder Verwaltungsprozessen behandelt werden.

Auf Grundlage der bisherigen Erfahrungen soll die Reihe im Jahr 2027 fortgesetzt werden. Am 22. Oktober folgt ein Vortrag über „Die städtische Gemeinwesenarbeit in Homberg“, Referentin: Dipl.-Sozialpädagogin Daria Klevinghaus, am 19. November wird das Thema „Die neue Jugendarbeit und Jugendbeteiligung in Homberg“, von der Referentin und Leiterin des Jugendzentrums Sarah Wiederhold vorgestellt und am 10. Dezember informiert die städtische Landschaftsarchitektin Alexandra Dörrbecker über die „Sanierung des Sportparks“.

Dialog als dauerhafte Aufgabe

Die bisherigen Veranstaltungen zeigen zugleich, dass Bürgerbeteiligung kein einmaliger Termin ist. Viele der im Rahmen der Stadtgespräche angesprochenen Projekte befinden sich weiterhin in Entwicklung. Das gilt insbesondere für die Innenstadt und das Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“, aber auch für Fragen des Stadtgrüns und der kulturellen Beteiligung.

Das eigentliche Ergebnis der ersten Stadtgesprächsreihe liegt deshalb möglicherweise weniger in einzelnen Entscheidungen als in der etablierten Gesprächskultur: Fachleute erläutern ihre Planungen, Bürgerinnen und Bürger fragen nach, bringen eigene Erfahrungen ein und diskutieren über mögliche Wege. (di/Fotos: Uwe Dittmer)